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Die Liebe der Mutter - eines der kostbarsten Geschenke des Lebens

 

Der Dialog zum Thema „Erdung ist Heilung“ mit Meister Tam war so etwas wie ein emotionaler Auslöser für mich. Warum nahm ich Traurigkeit wahr, scheinbar ohne ersichtlichen Grund. Sollte etwas gesehen werden, was ich bisher verdrängt hatte? Welches Thema steckte da hinter?

 

Diese Gedanken lösten neben der Traurigkeit auch noch Herzklopfen aus. Für mich persönlich ist dies ein gutes Zeichen. Ich habe dann Gewissheit dass etwas gesehen werden möchte.

 

Wie so oft hörte ich die Stimme meines Herzens:

Ruhig bleiben, du weißt aus den vielen Erfahrungen der letzten Jahre das es gut ist, jetzt den Emotionen Raum und Zeit zu geben gesehen, gefühlt und gehört zu werden…ohne dich in den Emotionen zu verlieren... Vergiss niemals…du bestimmst wann es genug ist!

 

Wenn Verdrängtes zum Vorschein kommt, dann kommt die Wahrheit ans Licht und die tut weh. Warum auch hätte ich sonst verdrängt?

 

Am nächsten Tag war ich bereit tiefer einzusteigen und mir selber Fragen zu stellen in welche Richtung ich schauen sollte.

 

Gibt es etwas, was ich bisher nicht erkannt und tief verdrängt habe?    ERDUNG…VERKÖRPERUNG…MUTTER

 

Ohne Mutter keine Verkörperung, keine Chance die Erfahrung von Erdung machen zu dürfen. Sollte dies nicht eigentlich schon Grund genug sein meiner Mutter mit Dankbarkeit zu begegnen?

 

Welches Verhältnis hatte ich eigentlich zu meiner vor drei Jahren verstorbenen Mutter? Wieder reagierte mein Körper. Dieses Mal äußerte sich das indem ich Übelkeit wahrnahm. Okay ich war auf dem richtigen Weg.

 

Wenn Erdung mit der Geburt seinen Anfang nimmt, dann steht meine Mutter wohl ganz vorne. Wie war denn eigentlich meine Mutter-Tochter-Beziehung und bin ich in Frieden mit meiner Mutter? Klar bin ich…oder doch nicht? Bisher jedenfalls war ich fest davon überzeugt.

 

Verdrängtes schon zu Beginn meines Lebens? Im Zusammenhang mit meiner Mutter? Kann das sein?

 

Die Antwort meines Herzens war deutlich:

Doris, du hast noch keinen wahren Frieden, du verdrängst da etwas, schau hin. Geh mutig darauf zu, denn das Einzige was schlimmer ist als die Angst vor der Wahrheit ist, etwas zu verdrängen. Du weißt doch aus der Erfahrung der vergangenen Jahre, wie viel Freude und innerer Frieden fühlbar wird, wenn du den Mut aufbringst nicht mehr wegzulaufen und hindurch zu gehen. Dann geschieht Transformation und auch Heilung.

 

Jetzt bin ich schon so lange auf dem Weg und ich weiß auch, dass es da noch eine Menge verdrängter Themen in mir gibt. Und ja, mich erfüllt jedes Mal aufs Neue ein ganzheitliches Gefühl der Befreiung wenn sich ein Thema löst…manche Themen brauchen mehr Mut, mache weniger.

 

Meine Mutter-Tochter-Beziehung anzuschauen fällt nicht leicht und lässt immer wieder Tränen fließen. Bleibe ich also meinem Motto treu

 

Es ist nie zu spät, dem WEG des Herzens

zu folgen.

Es ist nie zu früh, sich auf den WEG

zu machen.

 

 

Mit dieser meiner persönlichen Einstimmung auf mein anstehendes verdrängtes Thema Mutter-Tochter-Beziehung machte ich mich dann auf den Weg, um  meinen persönlicher Friedensprozess mit meiner Mutter endlich voran zu bringen.

 

Und dies ist die Essenz der letzten Tage:

 

Mama, ich weiß aus Erzählungen, dass die äußeren Umstände meiner Geburt für dich und Papa nicht gerade die besten waren. Du hast mir oft gesagt, wie einfach es mit mir war. Wie wenig anstrengend ich war und das ich mich immer schon sehr gut alleine beschäftigen konnte. Oh, darauf war ich stolz. Auch darauf, dass mal jemand mir sagte „das kleine Kind in dir war schon immer die kleine Erwachsene“. Welche Komplimente…dachte ich und mein Ego erst recht.

 

Es tut mir leid Mama, denn erst heute kann ich einen Zusammenhang erkennen, der mich traurig macht und wie weh ich dir mein Leben lang getan habe. Unbewusst aber das verändert ja nicht die Tatsache.

 

Ja, ich war immer stolz darauf sagen zu können „ich schaffe was ich schaffen möchte…alleine“. Diese Einstellung habe ich mit in dieses Leben gebracht. Dies ist meine gefühlte Wahrheit, denn diese Einstellung ist so stark in mir verankert, egal wie weit ich in meiner Erinnerung zurückgehe.

 

Das Problem ist nur, das Leben hier auf der Erde ist so interessant, schön und lebenswert durch die Interaktion mit anderen und indem wir uns gegenseitig in Liebe beschenken. Wenn da aber Doris kommt und sagt, „ich brauche keine Liebe, auch nicht die meiner Mutter“, dann findet dieser gegenseitige Austausch nur sehr begrenzt statt.

 

Mama es tut mir leid es dir so schwer gemacht zu haben und ich niemals wertzuschätzen wusste wie wertvoll und nährend deine Liebe zu mir war. Ich wollte immer Liebe geben. Es war immer mein Wunsch in Liebe zu sein, Liebe zum Ausdruck zu bringen. Zu glauben deine Liebe nicht zu brauchen ist einfach nicht wahr und sehr hochmütig. Zu glauben Liebe geben zu können ohne Liebe empfangen zu wollen ist einfach nur dumm.

 

Das Ziel ist auf dem Weg sein zu wollen und nicht schon da zu sein. Es gibt noch so viel für dich zu entdecken Doris. Dazu gehört auch, Liebe anzunehmen, vor allem die der Mutter…

 

Deine Liebe Mama war meine emotionale Nahrung. Und du hast gegeben, egal mit welcher Einstellung ich dir begegnet bin. Egal wie hochmütig ich mich dir gegenüber verhalten habe. Es macht mich so traurig dies erst im Nachhinein zu erkennen.

 

Doris, sich über die Liebe der Mutter zu stellen ist die „Höchststrafe“ für eine Mutter. Würdest du das aus deiner Sicht als Mutter nicht bestätigen?

 

Ja das kann ich heute erkennen und fühlen. Ebenso wie meine Illusion zu glauben, ich bräuchte die Liebe meiner Mutter nicht. Im Gegenteil, ich habe sie mehr gebraucht als andere, weil ich sie ja nicht annehmen wollte. Meine Mutter aber hat nie damit aufgehört mir ihre Liebe zu schenken. Ich habe mich immer geweigert zu sehen und wahrhaben zu wollen, wie wertvoll und nährend diese Liebe für mich war.

 

Du bist auf dem Weg deinen Frieden mit Vergangenem zu machen. Sich Vorwürfe für nicht optimal gelaufene Beziehungen zu machen bringt keine Veränderung. Wenn Dinge nicht so optimal waren, dann hast du sie aus unterschiedlichen Gründen verdrängt. Letztendlich aber, wenn du bereit bist, kannst du die verborgenen Geschenke entdecken, die jede Begegnung oder Beziehung mit sich bringt. Egal wie es scheint.

 

Auch die Erfahrung von Getrennt-Sein erleben zu dürfen ist ein großes Geschenk. So komisch es für dich klingen mag...der damit verbundene Schmerz ebenfalls. Jeder Mensch bringt aber auch seine eigene individuelle Strategie mit auf die Erde, um der Illusion des „Getrennt-Seins“ und dem damit einher gehenden emotionalen Schmerz zu begegnen. Deine Strategie war

 

„Ich brauche keine Liebe auch nicht die meiner Mutter…ich schaffe alles alleine“

 

Mutterliebe ist deine emotionale Nahrung, Vaterliebe ist deine mentale Nahrung. Weisheit ist in diesem Kontext Ausdruck vollkommener Verschmelzung beider, auf allen Ebenen. Und du brauchst alles für deine Entwicklung und Bewusstwerdung.

 

Okay, ich habe verstanden! Ich sehe was ich sehen will, ich glaube was ich glauben will und ich fühle was ich fühlen will…solange ich nicht bereit und geübt bin die Weisheit meines Herzens und meines Körpers sprechen zu lassen, fehlt die Gewissheit was ist Illusion und was ist Echt. Die Geschenke eröffnen sich mir wenn ich die Illusion durchschaue.

 

So war ich bis jetzt in der Illusion und fest überzeugt, vollkommen in Frieden mit meiner Mutter zu sein. Wie blind und einseitig ICH meine Beziehung zu ihr GELEBT HABE wird mir jetzt klar.

 

Wie stolz ich war mit 19 von zu Hause auszuziehen in eine eigene Wohnung. Endlich frei und unabhängig… Dabei war ich ständig zu Hause und ließ meine Mutter nach wie vor die Wäsche machen oder mir hier und dort von ihr helfen. Wie oft habe ich angerufen und mir Rat geholt. Aber ich brauchte ja ihre Liebe nicht. Was hat denn all das mit Liebe zu tun. Das ist doch selbstverständlich dass eine Mutter das tut, für einen da ist. Wieso ist sie denn traurig dass ich ausziehe. Sie sollte doch stolz auf mich sein. Es tut weh dies heute zu fühlen und es tut weh dies aufzuschreiben.

 

Viel viel später in meinem Leben kehrte ich noch einmal für gut zwei Jahre zurück und lebte ganz in der Nähe meiner Mutter. Wir sahen uns häufig, ich unternahm Ausflüge oder Kurzurlaube mit ihr. Meinen Hochmut ihr gegenüber aber hatte ich immer noch im Gepäck. Noch immer war ich überzeugt, eine gute dankbare Tochter zu sein. Ich verbrachte ja Zeit mit ihr und es schien ihr Freude zu machen. In Wahrheit bemerkte ich nicht einmal ihre Liebe. Ich drehte in meiner Illusion wieder alles um. ICH gab ihr meine Liebe, dachte ich jedenfalls. Dabei weigerte ich mich noch immer, ihre Liebe anzunehmen. Wo also gab ich meiner Mutter Liebe? Ich tat das Gegenteil.

 

Dann zog ich erneut weg und übernahm die Pflege der Mutter einer damaligen Freundin. Ich versuchte nicht den Schmerz meiner Mutter zu verstehen. Im Gegenteil, meine egoistischen Anteile wollten Anerkennung dafür, dass ich mich um die Mutter einer anderen kümmerte…

 

Ich sage nicht dass es falsch war dies zu tun und ich würde es wieder tun. Doch ich hatte eine zweite Chance bekommen und verpasst, die Liebe meiner Mutter zu sehen, anzuerkennen und anzunehmen. Nach Jahren eröffnete sich mir eine neue Gelegenheit den Hochmut meiner Mutter gegenüber zu wandeln, zu transformieren…und ich habe sie ungenutzt verschenkt. Wieder ein Abschied ohne Respekt. Ohne meine Wertschätzung und meine Dankbarkeit für ihre Liebe wahrzunehmen, geschweige denn zu würdigen.

 

Wie gerne würde ich DIR MAMA heute persönlich und von ganzem Herzen sagen können, dass ich DEINE Liebe annehme, dass ich jetzt erst wahre Wertschätzung fühlen kann für alles was DU mir gegeben hast um mich auf mein Leben hier auf der Erde vorzubereiten. Ohne DEINE Liebe wäre ich nicht die, die ich heute bin. Und ich bin mir sicher, Du Mama würdest mich mit Tränen in den Augen lächelnd anschauen und deine Augen würden sagen: Doris, das einzige was ich mir immer gewünscht habe und was ich mir auch in Zukunft für dich wünsche ist, dass DU glücklich bist und Freude am Leben hast.

 

Ich habe jetzt die dritte Chance, mich erneut von Dir Mama zu verabschieden. Ich weiß jetzt, warum ich nie das Bedürfnis hatte, dein und Papas Grab zu besuchen. Ich bin weggelaufen vor der Illusion zu glauben, Mutterliebe nicht zu brauchen. Die Liebe zu EUCH Eltern wertzuschätzen geht aber einher mit dem empfangen und annehmen EURER Liebe. Dies habe ich nie wirklich getan, sondern einfach verdrängt mich damit auseinander zu setzen.

 

Mein Leben lang stand dieses Thema zwischen mir und euch. Und es war immer mal wieder fühlbar. Es war nie weg und selbst nach eurem Tod meldete sich dieses Thema unterschwellig, sobald ich daran dachte, auf den Friedhof zu gehen.

 

Jetzt hat das Verdrängte endlich Raum bekommen, gesehen und geheilt werden zu können. Ich werde diese Chance nutzen um in wahrem Frieden mit Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit wirklich Abschied zu nehmen.